Tag 26- und zur Abwechslung ankern ⚓️

Zwei Crew-Geburtstage stehen an 😊

Heute hat der kleine Krümel Geburtstag, erst essen wir in Ruhe Geburtstagsfrühstück (sofern das mit einem frisch gebackenen Kleinkind denn möglich ist 😉 und packen Geschenke aus. Das Wetter ist grau, nieselig und böig. Gegen Mittag heben wir den Anker und segeln knapp 3 h, bis wir in der angedachten Bucht ankommen. Wir tasten uns ganz langsam vor, ich stehe vorne und schaue die ganze Zeit auf das Wasser, während Paul ganz langsam unter Motor fährt, tiefer in die Bucht rein. Es darf weder zu tief noch zu flach sein, wenn man ankern möchte, daher kann man nicht direkt am Eingang in solchen Buchten oder auch Fjorde ankern. Dann kann Paul den Kleinen nicht länger in Schach halten, also gehe ich nach hinten und Paul drosselt nochmals die Fahrtgeschwindigkeit. Er schaut dabei auch weiterhin akribisch auf die Karte. Das ist uns aber alles nichts, bei dem Nieselregen ist die Sicht auf das Wasser auch schlechter geworden. Wir brechen ab und suchen uns direkt eine neue Ankerbucht raus. In dieser kommen wir um kurz nach halb 6 am Abend an, wenige Minuten danach kommt die SY Lotte (SY steht als Abkürzung für Segelyacht) und macht an uns fest. Unser Anker ist groß genug, um beide Boote an Ort und Stelle zu halten. Diesen hatten wir erst wenige Wochen vor der Fahrt getauscht und sind nun wirklich froh darüber. Bei dieser Konstellation macht sich auch bezahlt, dass er eigentlich etwas überdimensioniert ist, denn so funktioniert es prima mit beiden Booten an unserem Anker. Wir essen noch den am Vorabend gebackenen Apfelkuchen aus Pauls Kindheit, diesmal als Variation mit Birnen und Äpfeln, es schmeckt uns allen sehr gut und wir sind froh, endlich angekommen zu sein. Während ich den Kleinen ins Bett bringe, machen die beiden Männer den Grill startklar und wir essen am Abend noch Allerlei Gegrilltes zusammen. Zum Glück hält der Grill noch durch. Man muss nur wissen, wie man es sich schön machen kann 😉 

Tag 25- Ab zum nächsten Ankerplatz!

Am nächsten Tag soll es weitergehen. Es ist zwar viel Wind aus West vorhergesagt, aber im Schutz vom Land sollte es nicht allzu viel Welle geben. Ziel für den Tag ist Pataholm, ein kleiner Ort, der im Törnführer empfohlen wird.

Begrüßung der Stadt Kalmar an die Seefahrer 🙂

Wir Tanken noch in Kalmar Diesel und Benzin, sodass wir für die nächsten Tage unabhängig sein sollten. Da Lotte nicht tankt, sind sie einige Meilen vor uns und ich hab mir als Ziel gesetzt sie einzuholen. Dies gelingt nach einiger Zeit. Der Wind nimmt immer weiter zu und kurz bevor wir in die Einfahrt nach Pataholmen kommen haben wir bis zu 7 Windstärken. Lotte entschließt sich daher nicht vor Anker zu gehen und einen Hafen anzulaufen.

Wir segeln weiter nach Pataholm und werfen im Windschatten vom Land den Anker. Hier sind nur noch 4 Windstärken und der Anker hält gut.

Kalmarsund Brücke

Wir lassen das Dingi zu Wasser und fahren nach Pataholm rüber. Der Ort ist zwar sehr klein aber auch sehr Idyllisch.

Nicht ganz nach Norm 🙂
Sauna vor Anker

Am nächsten Tag hat der Krümel Geburtstag, wir dekorieren das Boot ich am Abend und packen die Geschenke ein. Morgen wollen wir wieder zusammen mit Lotte vor Anker gehen.

Tag 24- Von Schlössern und Gärten in Kalmar

An diesem Samstag stehen zwei Dinge auf dem Plan, Stadt erkunden und einkaufen.
Der Hafen in Kalmar liegt so günstig in der Nähe eines Supermarkts, wie man es leider nicht allzu oft findet, das bietet sich also auch gut an, um Getränke und vor allem Trinkwasser zu proviantieren. Also läuft Paul zum einkaufen und ich gehe mit dem kleinen Krümel durch den wunderschönen Stadtpark Richtung Schloss.

Interessantes Baum-Gebilde
Kalmar-Slott
So ein Paradies versteckt hinter einem kleinen Tor

Am Nachmittag treffen wir uns dann, nachdem wir den tollen Stadtpark erkundet sowie das Schloss bestaunt haben, mit dem Vater und seiner Tochter von der “Lotte“. Durch Zufall biegen der Krümel und ich falsch ab und landen in dem wunderschönen Garten “Krusenstiernska Gården“, wo die beiden Kleinen super im Gras krabbeln können. Am Abend gehen wir zu dritt zu einem Eisladen in der Altstadt, die sich direkt hinter dem Hafen erstreckt. Abends steht dann wieder Sauna auf dem Plan 🙃

Tag 23- Ein Tag im schönen Kalmar

Super Wind heute! Schade, dass wir jetzt nur so eine kurze Strecke bis Kalmar vor uns haben! Es läuft so gut, dass ich Paul frage, ob wir nicht noch ein Stück weiter segeln wollen und dann umkehren nach Kalmar.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause nach unserer Ankunft im Hafen, der sich schön zentral und damit in kurzer Distanz zu Stadtpark mit Schloss und der Altstadt mit mittelalterlichen Stadtmauern sowie direkt an der Linné Universität befindet, wollen wir uns zunächst etwas umschauen und versuchen, einen Spielplatz oder eine gepflegte Rasenfläche zum Krabbeln zu finden. Unser Eindruck von Schweden ist, dass hier viel Wert auf gepflegte Grünflächen und (städtische) Parkanlagen gelegt wird: der Rasen ist meistens saftig grün, man sieht sehr selten Müll irgendwo und nur in der Nähe von Gewässern gibt es das Problem mit den Hinterlassenschaften von Enten aber meistens Gänsen. Eine Alternative findet sich dann aber dennoch in der Umgebung.

Wir schlendern also zu sechst durch die Stadt und setzen uns in einen Burgerladen, der ein “After work“- Angebot hat. Ja, Schweden und die Preise in Restaurants, da können wir aus Deutschland nur staunen.

Für den Abend wir die Sauna des Hafens bestellt (im Preis inkl.) und freuen uns sehr drauf- erst gehen die beiden Männer, während wir die zwei Mäuse ins Bett bringen, dann sind wir an der Reihe. Paul hat sogar Saunadüfte von zu Hause mitgebracht, so kommt auch richtig Wellnessfeeling auf. 😊

Tag 22- Vom idyllischen Kristianopel zum ersten schwedischen Ankerplatz

Nach den letzten Tagen sind die Wassertanks im Boot ganz schön leer. Daher startet der Tag mit dem Auffüllen der beiden 70 Liter- Tanks. Heute soll es weiter in Richtung Kalmar gehen. Wir haben uns eine Ankerbucht kurz vor der Stadt herausgesucht und wollen dort mit der Familie auf dem Boot „Lotte“ zusammen ankern. Am nächsten Tag soll es dann nur noch ein kurzes Stück bis Kalmar sein.

Eine Dusche mit Lichtschalter- aber für Wasser, nicht für Licht. Mal was Neues!
Der hafeneigene Bouleplatz – sogar schon mit Kugeln!

Gegen Mittag geht es dann los, den Kalmarsund entlang Richtung Norden.

Nach einer Fahrt von ca. 5 Stunden kommen wir am geplanten Ankerplatz an. Lotte und Crew waren bereits vor uns gestartet und haben schon den Anker geworfen. So kommt es, dass unsere erste Nacht vor Anker nicht an unserem, sondern dem Anker von Lotte verbracht wird. So gehen wir einfach längsseits dran und legen an dem Boot an. Da das Mädchen heute Geburtstag hat, gibt es leckeren selbstgebackenen Kuchen und die Kinder spielen auf dem Boot.

Es gibt sogar Luftballons

Abends werden noch die beiden Dingis (Beiboote) aufgepustet und für eine erste Testfahrt zu Wasser gelassen.

Morgen soll es noch das kurze Stück nach Kalmar gehen. Da unsere Gasflasche heute leer gegangen ist und auch der Dieselvorrat zur Neige geht, soll hierfür Nachschub besorgt werden.

Tag 21- Von Utklippan in den Kalmarsund

Wenn wir ein Bild vor Augen haben, wenn wir den Namen „Bullerbü“ hören, dann wäre es das Bild von Kristianopel (nein, dies ist nicht die Nachbarstadt von Konstantinopel! =)).

Rauschefahrt mit Gennaker
Danke an die liebe Einhandseglerin mit lieber Hundedame für dieses Foto! =)

Es ist guter Wind, das Anlegemanöver erfordert Konzentration, denn der Wind pustet auch im Hafen noch ordentlich. Wir sehen einige Segler wieder, die wir erst auf Christiansø, dann auf Utklippan getroffen haben, darunter Deutsche und Dänen. Auch eine Einhandseglerin aus Deutschland ist dabei (oder sollten wir lieber „Einhundseglerin“ sagen? ;-), sehr bemerkenswerte Frau. Sie nimmt unterwegs immer wieder Bekannte und Freunde mit an Bord, die restliche Zeit ist sie mit ihrer Hundedame alleine unterwegs – von Hamburg Richtung Stockholm. Das Schiff hat sie vor ein paar Jahren in Spanien erworben und dann mit einem Bekannten nach Deutschland gefahren auf dem Seeweg. Sie verbringt ihre Sommer auf dem Boot und im Winter geht sie ihrem Beruf z.B. auf den Kapverden nach, als Tierärztin im Tierschutz. Das mögen wir auch so gern am Segeln, neue (wenn auch nur kurze) Bekanntschaften zu machen und sich auszutauschen, über den nächsten geplanten Anker- oder Hafenstop oder auch das ganze Leben.

Zurück zu Kristianopel: Es ist der erste Hafen, der auch etwas Zivilisation mitbringt, sogar einen kleinen „Tante Emma-Laden“ gibt es. Die Preise in Schweden schocken uns nicht wirklich, einiges ist teurer, anderes ähnlich bepreist wie in Deutschland (Differenz wohl stark abnehmend …)…

Der Hafen ist preislich wie die meisten Häfen in Deutschland, dafür aber sogar mit Waschmaschine / Trockner und Dusche inkl. – dies kommt in Deutschland ja eigentlich immer noch oben rauf!

Im Hafen eine öffentliche Boulebahn mit Kugeln zur freien Spielverfügung, echt klasse!

Am Nachmittag kommt ein weiteres deutsches Segelschiff an; Paul bemerkt es, weil er die Kommandos mitbekommt: „Noch 4 Meter, noch 3 Meter, noch 2 Meter… rumms!“ Autsch, das war der Bug, der die Hafenmauer touchiert hat… Paul spricht sie später an, als er sieht, dass ein Buggy vor dem Schiff steht. Eine fast schon schicksalhafte Begegnung! Das Paar aus Ba-Wü hat eine Tochter dabei, nur wenige Tage älter als unser Krümel, sie sind eine ähnliche Zeit unterwegs wie wir, gestartet auf Fehmarn und auch unterwegs Richtung Stockholm. Ist das noch Zufall? Sie sind uns auf Anhieb sympathisch, wir verabreden spontan, uns am nächsten Tag in einer Ankerbucht zu treffen und ins Päckchen zu legen vor Anker. Anlässlich des Geburtstags der kleinen Tochter werden wir spontan zu Kaffee und Kuchen an Bord eingeladen.

Tag 20- Die große Fahrt ins “Nirgendwo“

Der Wetterbericht für heute sieht gut aus, um Dänemark 🇩🇰 zu verlassen und zur erstmöglichen Insel in 🇸🇪 zu segeln: Utklippan, zwei Inseln aus Fels ohne weitere Versorgung. Die Überfahrt ist entspannt, ab und an kommt Seenebel auf- recht gespenstisch mit einem Hauch Nervenkitzel in der Nähe von Verkehrstrennungsgebieten (Erläuterung hier: https://navship.org/de/befahren-und-queren-von-verkehrstrennungsgebieten/).
Wir fahren am Morgen los und kommen nach knapp 10 Stunden an diesem Fleckchen Fels an- es finden sich viele Segelboote hier, die heute den Sprung gemacht haben. Länger als eine Nacht bleibt hier niemand. Es gibt nicht mal einen Bezahlautomaten- nur Schilder mit einem QR-Code, der auf eine Bezahlseite im Internet führt. Kein Strom, kein Wasser fürs Schiff- dafür Trockentoiletten. Mit zwei sehr in die Jahre gekommenen Ruderbötchen kann man von der einen Felsinsel zur anderen rüber; Utklippan besteht aus zwei Teile, die nicht miteinander verbunden sind (anders als Christiansø). Wir essen abends noch etwas Schnelles und dann ab in die Kojen!

Das Schiff in der Mitte des Bildes, welches längsseits liegt , sind wir- aufgenommen von der Hafen-Webcam – danke Mama für das Screenshotten 😉

Tag 19- Als die Möwe frühmorgens klopfte…

Am Pfingstmontag werde ich um kurz nach 4 Uhr von einem Klopfen geweckt, meine beiden Männer stört es scheinbar nicht. Ich wundere mich, wer da wohl ans Boot klopft und wieso. In der Achterkabine, in der wir schlafen, gibt es zwei Fenster, eins davon geht zur Plicht raus und lässt sich vom Bett aus öffnen. Ich schaue also hinaus und sehe eine Möwe direkt vor mir, die versucht, die Kindersonnencremetube zu stehlen. Sie ist blau und gelb und scheint die Aufmerksamkeit der Möwe geweckt zu haben. Ein “Kusch!“ und klopfen gegen das Fenster verschafft nur ein paar Sekunden Ruhe- also öffne ich am Niedergang die Schotten und mein Anblick ohne Scheibe dazwischen scheint sie zu überzeugen, sich vom Acker zu machen.

Wir genießen den restlichen Tag auf Christiansø und machen am Nachmittag einen ausgedehnten Spaziergang (so ausgedehnt er halt sein kann bei einer so überschaubaren Insel).

Tag 18 – Der Angriff der Killermöwen 

Am Pfingstsonntag verlassen wir Hammerhavn um 8.30 Uhr und fahren bei strahlendem Sonnenschein, null Welle aber auch null Wind zu den Erbseninseln, Christiansø & Frederiksø. 

Das Ablegen möchte Paul gern mit der Drohne festhalten: Als die Drohne in der Luft ist, schreien zwei Möwen auf und fliegen abwechselnd dicht an ihr vorbei – sie scheinen anzugreifen (ist ja schließlich ihr Flugrevier!).

Ich helfe Paul schnell, die Drohne während des Ablegens aus der Luft zu fangen (da ich dies bei dieser Drohne noch nicht perfektioniert habe, kostet es mich ein Stück meines Fingernagels). Ein Glück klappt es!

Unterwegs sichtet Paul und dann später auch ich einen Robbenkopf im spiegelglatten Meerwasser. Kurz vor Mittag kommen wir auf den Erbseninseln an, die Fähre ist auch gerade da. Sie bringt Tagestouristen am Vormittag von Gudhjem (Bornholm) hierher und holt sie um 14 Uhr wieder ab- dann wird es hier wieder ruhig. Es ist auch möglich, auf dem Zeltplatz zu übernachten. Die Post sowie Lebensmittel kommen ebenfalls mit der Fähre.

Die beiden Inseln sind wirklich niedlich, wir waren bereits 2015 mit unserer Fanai hier (das zweite Segelboot, welches wir besessen haben und der Vorgänger von der Le Marin). Die Erbseninseln (auf Dänisch „Ertholmene“) sind der östlichste Punkt Dänemarks und eine alte Festungsanlage aus der Zeit Christian des V. (1684). Heute leben hier noch knapp 90 Menschen, es gibt u.a. neben eine Kirche ein Klo, einen Købmannsladen, einen Zeltplatz und sehr viele Möwen und Vögel generell (der Vogelschutz wird groß geschrieben). Hunde sind auf den Inseln nicht erlaubt, da die Trinkwasserversorgung fragil ist und eine Verschmutzung diese gefährden würde. Die beiden Inseln sind mit einer Hängebrücke aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts verbunden – eines der neueren Bauwerke hier, an vielen Häusern stehen Jahreszahlen aus dem 18. Jahrhundert.

Bemerkenswert ist hier zwar nicht, dass es keinen Hafenmeister gibt – dies kennen wir aus Dänemark generell nicht anders – aber es gibt nicht einmal einen Automaten zum Bezahlen via Kreditkarte. Stattdessen wird der Gastlieger aufgefordert, die Zahlung via Webseite zu vollziehen. Auch eine gute Idee, ganz grundsätzlich. Natürlich werden dafür zweierlei Dinge vorausgesetzt: Jeder Gastlieger hat ein mobiles Endgerät dabei und zweitens, jeder kommt mobil ins Internet, denn WiFi gibt es nicht. Blöd ist nur, dass der Netzempfang hier wirklich ziemlich schlecht ist.

Die Erbseninseln kann man prima einbauen, wenn man eine Tour „Rund Bornholm“ segelt und auch, wenn man wie wir Richtung Ostschweden möchte. Die Erbseninseln sind unser dritter Hafen im Ausland (Polen mal ausgenommen) und uns ist aufgefallen, dass in Deutschland die Häfen größtenteils sehr leer waren (fast überall findet die Saison v.a. von Juni bis August statt), die Häfen in Dänemark eher voll sind; Dänen, Schweden und Deutsche sind schon zahlreich unterwegs. Wenn Paul andere Segler anspricht (egal welcher Herkunft und Sprache – da hat er keine Berührungsängste), dann merkt man, dass diejenigen Deutschen, die jetzt unterwegs sind, sehr häufig in die Gegend um Stockholm möchten – das leuchtet irgendwie auch ein, denn dazu benötigt man mehr Zeit, als würde man nach Bornholm wieder nach Hause fahren.

Als ich den Krümel sein Mittagsgläschen füttere, bemerke ich irgendwann etwas links hinter mir – wir werden von dieser Möwe beobachtet, die einen knappen Meter von uns entfernt auf dem Außenbordmotor sitzt, welcher für das Beiboot (Schlauchboot) gedacht ist. Was die Möwe wohl mit dem Essensgläschen gemacht hätte, wenn sie es ergattert hätte…?!