Heute soll es weitergehen, ich gehe morgens mit dem Krümel in den Supermarkt, um noch ein bisschen frisches Obst zu kaufen. Der Kleine untersucht im Supermarkt mittlerweile alles.
Nach dem Frühstück soll es auch bald los gehen. Aufgrund des starken Windes wollen wir im Schärenfahrwasser nach Trosa fahren. Um in das Schärenfahrwasser zu kommen, liegt eine Stunde unter Motor direkt gegen an vor uns. Danach noch ca. 1 Stunde mit abnehmender Welle segeln, bis wir einen vollen Schutz durch die Schären haben.
Als wir abgelegt haben und ich den Autopiloten einschalten will, stelle ich fest, dass dieser nicht funktioniert. Julia übernimmt das Steuer und ich gehe auf Fehlersuche. Die Stecker im Kurscomputer stecken alle richtig und fest. Die Kabel an der Buchse im Cockpit auch. Komischerweise funktioniert es aber anschließend wieder. Ich vermute, das es an dem Stecker/Buchse im Cockpit liegt.
Die Wellen sind so hoch, das das Schiff teilweise in diese reinkracht. Die Geschwindigkeit wird entsprechend herabgesenkt und es kehrt „Ruhe“ im Schiff ein, durch die herabgesetzte Geschwindigkeit wird die Strecke aber entsprechend länger dauern.
Wir kommen um Viertel vor 4 im malerischen Ort Trosa an und machen direkt einen kleinen Spaziergang. Julias erster Gedanke beim Blick auf die Stege: direkt eine grüne Wiese zum Krabbeln vor der Nase! Wie wunderbar! 😊
Der Tag startet direkt einmal mitten in der Nacht. Um 01:20 zieht ein heftiges Gewitter direkt über den Hafen. Es donnert und knallt so laut, dass direkt alle – bis auf den Krümel – wach sind. Nach ca. 30 Minuten ist das Gewitter durch und die Erwachsenen können weiterschlafen.
Doch der Hafen ist nicht in alle Richtungen gut geschützt. Ich prüfe zwar immer den Wetterbericht bzgl. eines Liegeplatzes (und natürlich auch bei Ankerplätzen), es war aber kein so langer Aufenthalt geplant. Der Wind kommt nun mit 20-30 Knoten aus der ungünstigsten Richtung. Im Hafen liegen wir an einer Mooringtonne mit einer Leine. Aufgrund des starken Windes und der Wellen, die an das Schiff prallen, liegen wir in einem 45° Winkel zum Steg. Unsere Mooringtonne ist aufgrund des Drucks nicht mehr zu sehen. Ich entscheide mich um kurz vor 07:00 gegen den Wind mit dem Dingi zu der nächsten Luv-Tonne zu paddeln und dort eine dickere Leine anzubringen (So möchte ich wieder einen 90° Winkel zum Steg erreichen und sicher gehen, dass die dünnere Leine nicht reißt).
Nach dem Frühstück wird im Hafen erstmal Wäsche gewaschen und dann der Kühlschrank ausgeräumt, saubergemacht und abgetaut (Kühlschränke auf Segelbooten werden von oben gefüllt, es gibt also keine Tür wie zu Hause, sondern eine Klappe wie bei einer Toplader-Waschmaschine, irgendwann läuft da immer mal was aus). In der Zeit werden auch noch die Wassertanks befüllt, sodass der Vormittag gut gefüllt ist. Als ich wieder einmal auf dem Weg zu den Waschmaschinen bin (Umladen in den Trockner), kommt mir ein Mann mit einer Campinggaz- Flasche (2,75Kg Gas) entgegen, ich schaue ihn verwundert an, sehe dann auch noch, dass die Flasche versiegelt ist und spreche ihn sofort an: „Wo haben Sie diese Flasche her? Kann man die hier irgendwo kaufen?“ Er antwortet mir: „Ja, bei der Tankstelle dort hinten. „
Rückblick:
Kurz bevor wir in Kalmar waren, ging unsere erste Gasflasche leer. So ging ich in den Marineshop in Kalmar, um eine neue zu erstehen. Diese erklärten mir, dass diese Flaschen nicht (mehr) in Schweden verkauft werden. Ich konnte das nicht glauben, recherchierte und kam auf das selbe Ergebnis. Ich habe zwar noch überlegt, eine schwedische Flasche mit Adapter zu kaufen (ca. 150€), die passenden Adapter hatte der Laden aber auch nicht da. Seitdem versuchen wir, möglichst wenig Gas zu verbrauchen, um nicht plötzlich ganz ohne dazustehen (die Hoffnung ist: Ein Gasfeld verbraucht ja auch weniger als zwei ;-).
Nun stand ich also auf dem Steg und man konnte diese hier kaufen. Der Herr erklärte mir dann, dass diese aber mit 52€ sehr teuer seien. Vor dem Hintergrund, dass sie ca. 14€ teurer sind als in Deutschland, ich aber Gas habe und keine teuren Adapter benötige, kam dies einem Schnäppchen gleich. Die Freude war groß!
Das Wetter wurde mittags sonnig und so gingen wir zu dem kleinen Platz mit den leckeren Restaurants. Heute gab es sehr leckere Burger. Für Julia einen Trüffel-Burger und für mich einen Chili-Burger – beide waren ausgezeichnet. Auf dem Rückweg gab es noch ein Eis und ich bin noch mit der leeren Gas-Flasche zu der Tankstelle gegangen und habe eine neue gekauft. Auf dem Steg sagte Julia mir dann: Da haben mich gerade zwei wegen der Gasflasche komisch angesehen (Gasflasche war im Kinderwagen und der Krümel auf meinem Arm). Als wir am Boot angekommen waren, sprach uns ein Deutscher an, der uns den ganzen langen Steg lang gefolgt war, um zu fragen, wo man denn die Gasflasche kaufen könne. Er hatte die selben Probleme wie wir und so ging der nächste direkt zu der Tankstelle um Gas zu kaufen. Perfekte Werbung für die Tankstelle, wenn jeder, der eine kauft, den nächsten Kunden akquiriert 🙂
Den Abend haben wir dann in der Sauna ausklingen lassen.
So startete der Tag mit schlechtem Wetter und vielen To-Dos und endete sehr versöhnlich
Gegen 4 Uhr morgens ist es dann da, das Gewitter, begleitet von jeder Menge Regen. Die Sauna-Handtücher von gestern, die über der Reling trocknen sollten und dann vergessen wurden (ich sage nur soviel – meine habe ich gar nicht erst dort aufgehängt in dem Wissen, dass es ja regnen soll), sind klitschnass, als wir am Vormittag dann die Schotten öffnen und nach draußen luken. Gegen 7 Uhr morgens hatte es dann nochmal geregnet, aber alles in allem war das Gewitter nicht sehr stark. Dennoch versucht man in der Regel, ein Gewitter in einem Hafen „abzuwettern“, jedenfalls gilt das für uns. Vor Anker wäre die Gefahr da, bei stark aufkommenden Winden ggf. mit dem Anker zu „slippen“, also dass er über den Meeresgrund rutscht und damit entweder nicht mehr so gut hält oder man mit dem Schiff zu nah ans Land kommt (in dieser Gegend hier, Stichwort Felsen). Leider ist es jedoch einigermaßen laut in der Kabine, wenn es ordentlich regnet, und so endet meine Nacht gg. 4 Uhr, wenig Schaf ist frau ja mit kleinem Kind gewohnt, mehr wäre dennoch wirklich gut gewesen. Da der Krümel auch zu früh aufwacht und da noch sehr müde ist, lässt er uns dann später alle drei nochmal am Vormittag 2 h weiterschlafen, wie schön! Wir beschließen mit den anderen, erst am Sonntag weiterzufahren, damit bleiben 2 ganze Tage hier in Nynäshamn. Einkaufen, erkunden, aufräumen und abends ein bisschen Sauna – so der Plan. Das Wetter würde sich auch heute zum Weiterfahren eignen, der Samstag ist mit starkem Wind dagegen komplett unbrauchbar. Wir müssen auch den Anfang kommender Woche bereits im Blick behalten, da der starke Westwind ein Problem für den nächsten Schlag bedeuten würde (d.h. gegen den Wind, und das ist wirklich nicht schön, insbesondere wenn es sich um starken Wind handelt). Gegen Mittag brechen wir auf in Richtung Supermarkt, ein bisschen was Frisches einkaufen und den schwedischen Pfand loswerden (das mit den Pfandflaschen ist tatsächlich ein echtes Platzproblem an Bord, die deutschen v.a. Wasserflaschen zum Trinken werden wir ja auch erst in ein paar Wochen wieder los). Auf dem Rückweg heißt es noch Fähre gucken, von hier geht eine Fähre nach Gotland mehrmals am Tag, für beide Männer natürlich super spannend.
Die zwei Inseln Öland und Gotland lassen wir voraussichtlich komplett aus, dafür würden wir noch mehr Zeit benötigen. Öland wäre im Bereich des Machbaren, da es recht nah am Festland und parallel zum Kalmarsand verläuft; Gotland wiederum ist doch schon weiter entfernt, liegt nördlicher als Öland und könnte man gut mit den Ålandinseln verbinden. Aber auch für diese würde deutlich mehr Zeit von Nöten sein.
Nach einem Nachmittagsschlaf für uns alle 3 gehen die zwei Männer mit der anderen Familie auf einen nahe gelegenen Spielplatz, ich schreibe an neuen Reiseberichten für den Blog und wir treffen uns im „Fressquadrat“ alle wieder.
Wir verlassen unseren Ankerplatz in den Stockholmer Schären und orientieren uns nach Süden. Wir möchten mit der SY Lotte zusammen in die St.-Anna und Gryts-Schären segeln und dort noch einige Zeit gemeinsam verbringen.
Am Vormittag nutze ich die Gelegenheit, dass die SY Lotte ein SUP an Bord hat und wage mich aufs Board. Da der Wind auffrischt, traue ich mich nicht sehr weit weg, im Zweifel muss ich ja auch wieder zum Boot kommen können- und das Hinstellen hätte wohl definitiv das Reinfallen bedeutet. Wollte ich eher vermeiden, das Wasser hat zwar „schon“ 21 Grad Celsius, dennoch. Wir ziehen gegen Mittag den Anker hoch, nachdem die SY Lotte von uns los ist. Die Sonne brät Paul draußen im Cockpit und es wird eine richtige Rauschefahrt, wieder unter Gennaker und mit viel Verkehr, also höchste Aufmerksamkeit bei sich andauernd kreuzenden Segelkursen mit anderen Seglern. Der kleine Krümel und ich bleiben aufgrund der Sonnenintensität unter Deck. Da wir mit gut 6,5 kn unterwegs sind (wir rechnen immer mit einem Schnitt von 5 kn), sind wir schneller als gedacht. Der Vorwindkurs (d.h. der Wind kommt von hinten, das Schiff ist also vor dem Wind) hat uns gut und schnell Richtung Nynäshamn gepustet.
Es gibt zwei Gründe, wieso wir einen Hafen aufsuchen: Am Freitag, ggf. noch am Wochenende, soll es gewittern und die SY Lotte benötigt Wasser, die Wassertanks sind fast leer. Das Wetter hat Paul über die Stunden etwas zugesetzt, obwohl er eine Kopfbedeckung getragen hat. Es gibt ordentlich Wind beim Anlegen, wir sorgen für etwas Hafenkino- zum Glück haven wir uns ans Ende des Stegs ohne weitere Schiffe in der Nähe gelegt, so macht es nichts, dass wir kurzzeitig schräg in 2 Boxen drin liegen, weil die eine Leine zu kurz ist. Es ist dehr hilfreich, sass wir schon etliche Manöver zusammen gemacht haben, gute genauso wie missglückte- und so wissen, worauf es ankommt. Ruhe und eine Kopfschmerztabelle richten es dann, sodass wir am Abend noch ein paar Schritte gehen können. Sehr weit kommen wir nicht, die Promenade ist voll von Cafés und kleinen Restaurants. Der Magen ist ziemlich leer und wir treffen durch Zufall die kleine Familie der SY Lotte dort. Die Pizza, die dort angeboten wird, ist wirklich gut und mit 110 SEK preislich auch in Ordnung. Es gibt mehrere Buden, die im Quadrat angeordnet sind und in deren „Innenhof“ Sitzplätze zur Verfügung stehen. Man findet dort ein Café, eine Pizzeria, ein Bistro, ein Kunsthandwerksgeschäft, einen Eisladen, einen Fischladen und eine Bäckerei. Abends geht es erst für die Männer, dann für uns beide Frauen in die Sauna, diese ist im Preis von 300 SEK pro Nacht und Schiff inkl. und bietet einen netten Blick über den Hafen aus zwei Bullaugen heraus, sehr stilecht.
Wir fahren gegen Mittag los durch die Stockholmer Schären, teilweise mit viel Patz, teilweise wird es wirklich eng zwischen den Inselchen. Wir haben einen Schreckmoment, bei dem ich draußen mit dem Pinnenpilot durch die Schären fahre, aber die Wegpunktesteuerung auf dem Navi und der tatsächlich gefahrene Weg scheinbar nicht zusammenpassen und eine Untiefe vor einer Schäre immer näher kommt – aber alles nochmal gut gegangen, Gas rausnehmen und händisch nachsteuern.
Am Abend kommen wir nach einem schönen Tag in einer neuen Bucht an. Einige Boote liegen bereits vor Anker und wir suchen uns eine freie Stelle für unser „Päckchen“ mit genügend Platz zu allen „Nachbarn“. Einige Zeit später kommt ein schwedischer Katamaran in die Bucht rein und legt sich relativ dicht vor Anker. Die Abschätzung der Abstände vor Anker ist nicht so leicht und viele unterschätzen die Leinen- oder Kettenlänge der Anker; die Gefahr hierbei ist, dass wenn sich die Schiffe doch mal nicht in die gleich Richtung drehen sollten, eine Kollision möglich würde. Svenja von der SY Lotte ist gerade mit ihrem SUP unterwegs, als der Katamaran seinen Anker wirft. Sie paddelt zu ihm rüber und versucht ihn davon zu überzeugen, dass der Abstand zu gering sei und bei unserer ausgelegten Kettenlänge die Gefahr groß sei, dass wir uns des Nachts „treffen“ könnten. Er diskutiert und ist nicht davon angetan, sich umzuorientieren und die Kette wieder hochzuholen. Svenja paddelt weiter, da er keine Anstalten macht. Nun, jeder der Paul kennt, weiß, was jetzt kommt: Paul lässt das Dingi ins Wasser und paddelt ebenfalls rüber. Er „überzeugt“ den Schweden in seinem charmanten Englisch davon, dass das wirklich keine gute Idee sei und der Schwede lenkt ein – er fährt ans andere Ende der Bucht und ankert dort.
Nachdem wir am Vorabend gegen halb 9 angekommen sind, haben wir schonmal ein Gefühl bekommen, dass wir es hier echt schon finden! Wir freuen uns auf den heutigen Tag: Um uns herum liegen mehrere Inseln, aber wir befinden uns nicht in einer klassischen Bucht, denn es ist offener hier. Direkt vor uns ist eine Insel mit kleinem Holzsteg, wo gestern Abend noch zwei Motorboote lagen, von einem sprangen Kinder mit einem Riesenspaß ins Wasser. Auf dieser Insel steht auch eine Holzbank auf einem Felsen direkt am Wasser.
Wir nehmen ein erfrischendes Bad in der Schären-Ostsee bei 23,2 Grad Celsius Wassertemperatur, bei dem erst Paul und dann ich ums Boot schwimmen und das Leben genießen 😉
Nach dem Vormittagsschlaf packen wir ein wenig Picknick-„Material“ ein, ein bisschen Wassermelone und Bulgursalat und einen Snackbecher mit Nudeln, Blaubeeren etc. für den Kleinen und fahren mit dem Dingi zu besagter Holzbank, wo die drei von der SY Lotte bereits ihre Picknickdecke ausgebreitet haben.
Wir schnabulieren uns so durch die Auswahl und Paul schlägt vor, eine Runde Fenderreiten zu machen und für die Kleinen unser kleines Planschbecken zu holen. Gesagt, getan. Es sind gut 25 Grad heute und erst gehen Timo und Paul Fenderreiten, dann teilen wir uns auf. Während die Babys planschen, hängt immer einer der Erwachsenen an einem Fender im Wasser, welcher an unserem Beiboot befestigt ist. Derjenige, der drin sitzt, gibt Gas und zieht den anderen hinter sich durchs Wasser, der sich an besagtem Fender festhält; aber nur so schnell, dass es auch noch machbar bleibt. Der Wasserdruck sorgt dafür, dass es von außen betrachtet gar nicht sooo schnell ist, aber für denjenigen im Wasser ist es gerade noch so machbar. Wir verbringen den gesamten Nachmittag dort und laufen noch ein paar Schritte zu dem Bootsclub, zu dem der Holzsteg gehört. Aber niemand da- nur ein Mini-Häuschen für den Club und ein Mini-Schuppen in einem lichten Wald.
Am Vormittag fahren wir mit dem Dingi erst an eine Insel, auf der man aber nicht so gut mit der Picknickdecke sitzen kann, weil es direkt an der Anlandungsfläche sehr dicht bewaldet ist. Also fahren die beiden Männer zur anderen Seite um zu erkunden, ob es dort besser aussieht – tut es! Also holen sie uns mit den Kindern ab und wir finden die Aussicht und den Platz so klasse, dass wir kurzerhand beschließen, hier zusammen zum Mittagessen zu grillen!
Unser Fazit ist: So haben wir es uns in den Schären vorgestellt! =)
Am Nachmittag geht es weiter zur nächsten Schäre, wo wir am Abend nach einem schönen Segeltörn ankommen.
Am Vormittag unseres Abfahrtstags wollen wir nochmal die Krabbelmöglichkeiten des Djurgårdens nutzen und bemerken eine Fahne, auf der ein Bild einer Zecke mit der Abkürzung „TBE“ (auf dt.: FSME) abgebildet ist. Ich informiere mich an der Touristeninformation und erfahre, dass von Frühling bis Herbst in ganz Schweden, aber insbesondere in Stockholm die Gefahr groß ist, sich bei einem Zeckenbiss mit FSME zu infizieren. Paul und ich sind geimpft, der kleine Krümel ist noch zu jung. Hilft nix, regelmäßig absuchen und hohes Gras und Büsche meiden.
Warnung vor der durch Zecken übertragbare Krankheit FSME, bei der Stockholm ein „Hotspot“ darstellt
Die ersten ca. 1,5 h raus aus Stockholm und dem Fahrwasser von dort ist ziemlich ruppig, es herrscht viel Verkehr von insbesondere vielen Kreuzfahrtschiffen und vielen motorisierten Sportbooten, die durch die Schären durchflitzen, eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt es zu unserem Leidwesen als vergleichbar eher langsames Segelschiff gibt es nicht. Heute ist mal wieder Sonntag, wahrscheinlich ist es deshalb heute auch so voll von Freizeitbooten. Die letzten Städte haben wir immer an einem Sonntag verlassen: Kalmar, Västervik und jetzt Stockholm. Ist wohl ein Zufall?
Wir tanken auf der Schäre Fjäderholmarna, die gerne von Ausflugsschiffen von Stockholm aus angelaufen wird. Hier gibt es nämlich eine Tankstelle, an der nicht nur eine oder zwei, sondern gleich über 12 Zapfsäulen bereit stehen, ein Tankwart hilft gern beim An- und Ablegen. Wieder was Neues! Das ist der Grund für uns, hierherzufahren, die Ausflügler aus Stockholm haben ihr eine nicht allzweite Anreise, sind aber raus aus der Stadt und im Grünen + am Wasser. In wenigen Metern Entfernung zur Tankstelle sind einige Personen auf den Felsen und davor im Wasser und baden. Wir können uns tatsächlich schönere Orte zum Baden vorstellen 😉
Wir nehmen noch einen vollen Tank mit Bootsdiesel mit und machen dann los in Richtung Schärenwelt. Wir kommen am Abend in einer tollen Bucht an und freuen uns auf den nächsten Tag, um das Land um uns herum zu erkunden.
Heute ist Samstag, heute steht noch unbedingt das Vasa- Museum auf dem Plan. Für uns ein Pflichtbesuch. Am frühen Nachmittag wollen wir uns mit Timo, Svenja und ihrer kleinen Tochter im Djurgården treffen, weshalb wir den Museumsbesuch auf den Vormittag legen und hoffen, dass nicht allzu viele Reisegruppen am Vormittag vorbeikommen. Auf Nachfrage bei einer Museumsmitarbeiterin empfahl sie uns nämlich, lieber nachmittags zu kommen, da dann die Reisegruppen weg seien. Also hoffen wir mal, dass es trotzdem gut geht. Paul trägt unsere kleine Maus in der Trage durch das dunkel gehaltene Museum, in dessen Mitte das Schiff „VASA“ steht:
„Das Schiff Vasa sank 1628 vor Stockholm noch auf seiner Jungfernfahrt. Nach 333 Jahre am Meeresboden wurde das imposante Kriegsschiff geborgen, woraufhin es eine neue Reise antrat. Heute ist die Vasa das am besten erhaltene Schiff des 17. Jahrhunderts und in Stockholm in einem eigens dafür errichteten Museum zu bewundern. Dieser einzigartige Kulturschatz umfasst 98 Prozent der Originalteile, darunter Hunderte kunstvoll geschnitzter Holzskulpturen.“ (Quelle: https://www.vasamuseet.se/de)
Also wirklich zum Einsatz gekommen oder mal wirklich gesegelt wurde die Vasa nicht. Sie wurde in einem sehr aufwendigen Projekt vom Meeresboden geborgen und tatsächlich nahezu als Ganzes „gehoben“. Es herrschen konstante Luftfeuchtigkeit und eine Temperatur von 18,5 Grad Celsius, was dem Erhalt des Schiffes zu Gute kommt. Für die sehr warmen Außentemperaturen, die während unseres Stockholmbesuchs herrschen (ca. 26-28 Grad Celsius), eine sehr angenehme Angelegenheit für uns!
An Bord haben wir eine Dieselheizung, zu der auch eine Lüftung gehört. Diese zieht Außenluft über die Backskiste in die Achterkajüte und den Salon.
Das kann ganz angenehm sein, aber im Boot und insbesondere wenn es im Hafen liegt, ist es grundsätzlich recht warm. Da sich das Schiff nicht wie vor Anker mit dem Wind mitdreht, bekommt man im Hafen deutlich weniger Luftzug zur Abkühlung ins Schiff. Und fliehen ist maximal in Richtung Dusche möglich 😉
Der Besuch des Schiffs rufen Ehrfürchtigkeit, Begeisterung für den Schiffsbau und Faszination in uns hervor.
Im Flyer des Museums ist von einem Restaurant die Rede, in dem es „Hackbällchen mit Rahmsoße, Kartoffelstampf und Gurkensalat“ geben soll. Das ist ein Wort! Den aufgerufenen Preis nehmen wir zur Kenntnis, schlucken kurz und lassen es uns dann schmecken! Sie sind wirklich sehr gut, besser als man es häufig von anderen Museumslokalen gewohnt ist.
Im Anschluss gehen wir in den Djurgården-Park (https://www.skr.de/schweden-reisen/sehenswuerdigkeiten/djurgarden/) und treffen uns mit den anderen. So tolle gepflegte Grünflächen und Blumenrabatte! Eine Augenweide wo wir auch hinschauen!
Leider ist ein wunderschöner Garten zwar geöffnet, aber das nette Café, für das wir lange durch den Djurgården hergelaufen sind, hat geschlossen. Heute ist der Tag nach Mittsommer, da katern die Schweden wohl aus. Wir sind nicht die einzigen, die hergelaufen sind und nun vor verschlossenen Türen stehen.
Auf dem Rückweg nimmt sich Paul einen E-Roller, die überall in der Stadt verteilt sind und fährt zum Supermarkt. Der Kleine und ich gehen zurück zum Schiff.
Heute steht das Mittsommerfest an, für welches wir in das Freilichtmuseum „Skansen“ gehen möchten, wir haben viel Gutes darüber gehört. Nach dem Vormittagsschläfchen machen wir uns fertig und brechen auf in das weltgrößte Freilichtmuseum. Schon auf den Straßen strömen viele Menschen in genau die Richtung, in die wir auch möchten. Wir haben die Tickets vorher online gekauft, bis zum Einlass waren wir daher nur gute 10 min in der Schlange. Es sind mittlerweile gute 26 Grad Celsius. Wir stiefeln zu dritt erstmal einen ordentlichen Hügel hoch und sind froh, eine „große Pulle Wasser“ dabei zu haben. Svenja, Timo und ihre kleine Tochter sind schon im Park und wir wollen uns treffen. Je weiter wir kommen, desto voller wird es – zwischenzeitlich verliere ich Paul und den Krümel aus den Augen. Ich hatte versucht, ein paar Fotos zu machen. Ich bin wirklich total baff – ich glaube ich habe selten so viele Menschen auf einem Haufen gesehen. Wir hatten überlegt, uns eine schöne Wiese zu suchen, um die Picknickdecke auszubreiten. Es gibt noch vereinzelt kleine Flecken in der prallen Sonne, die nicht „besiedelt“ sind. Jegliche Besucher haben sich vermutlich schon früh am Morgen oder Vormittag einen Platz für den Tag gesucht, um den Tag der Mittsommerfeier mit der Familie oder Freunden hier zu verbringen. Das Fest geht von Freitag bis Sonntag mit gleichem Programm, am Freitag jedoch soll der Maibaum aufgestellt werden. Das war der Grund, weshalb wir am Freitag herwollten. Wir finden zwischenzeitlich ein Fleckchen, wir wir uns auf Baumstämme setzen können, für die zwei Kleinen leider nicht geeignet und ein Fleckchen zum Krabbeln ist auch nicht in Sicht. Ich bin wirklich sprachlos – schade, dass wir das nicht absehen konnten, wir hätten besser am Wochenende herkommen sollen. Wir gehen weiter durch den Park kommen vorbei an Blumenrabatten, Rosengärtchen und historischen Gebäuden (es ist ja schließlich ein Freilichtmuseum), es gibt jedoch auch Seehundbecken, Affenhaus und Ostsee Science Center. Das Konzept wirkt nicht mehr stimmig/ vermutlich hat man versucht, das Freilichtmuseum um Attraktionen zu erweitern, um mehr Familien anzusprechen; leider fehlt dadurch total der rote Faden und wirkt wie eher wie ein Sammelsurium an Dingen, die Kindern Spaß machen könnten. Am zentralen Platz gibt es allerlei Essensstände, natürlich wird auch hier wieder der „falsche Hotdog“ angeboten, hier allerdings als Wurst im Brötchen, eher erinnert an eine Bratwurst wie bei uns. Die Auswahl ist wirklich top, über die Preise versuchen wir nicht nachzudenken. Der Eintritt hat mit knapp 22 EUR pro Erwachsenem schon gut zugeschlagen, das Preisniveau geht hier natürlich genauso weiter. Immerhin finden wir noch einen schönen Platz (mit vielen anderen zusammen) auf einer Wiese und die Kinder erkrabbeln sich die anderen Picknickdecken und können dort direkt mal schauen, was alles so zu essen im Angebot ist 😉 Auf dem Rückweg wollen wir noch einen Blick auf den Maibaum wagen, der Anblick der Menschenmassen löst bei mir aber einen Fluchtreflex aus und wir entscheiden uns dafür, zum Boot zurückzukehren.
Wir kommen am ABBA-Museum (das möchte ich nächstes Mal unbedingt besuchen) und dem Erlebnispark Gröna Lund vorbei. Das Gekreische der Besucher können wir bis zum Hafen hören, wenn sie in einer der Achterbahnen sitzen. Für uns bisher einmalig. Wir hatten uns vorher informiert, man bucht online entweder den Vor- oder Nachmittag für den Besuch und zahlt je nach Wochentag und Monat zwischen 295 SEK und 525 SEK; jetzt im Sommer aber eher ab 495 SEK. Wirklich kein Schnapper und der Park ist natürlich nicht so weitläufig wie wir es in Deutschland kennen. Wenn die Kinder größer sind, wollen wir es nachholen 😉 Als wir grad auf dem Weg zum Boot sind, ist jedenfalls grad „Schichtwechsel“, die Nachmittagsbesucher strömen uns entgegen. Man könnte das Fazit ziehen, es sei der Tag der Menschenmassen für uns gewesen.