Tag 65- Ein Tag in Gudhjem oder: Wir bekommen Crew-Zuwachs!

Heute ist ein Hafentag geplant. Morgen soll es nach Allinge gehen, bevor es übermorgen entweder nach Sassnitz oder nach Rønne gehen soll. Hierfür wird der Wind ausschlaggebend sein. Sollte es nicht nach Sassnitz gehen, werden wir mehrere Tage in Rønne bleiben müssen, weil der Wind dann zu stark sein wird, um Richtung Deutschland aufzubrechen. Für die Lotte-Crew wird dann ein Schlag Richtung Ystad oder Hiddensee unumgänglich und für uns direkt nach Swinemünde. Die Zeit würde dann bei beiden für den „kurzen“ Schlag nach Sassnitz nicht mehr reichen.

Kirche in Gudhjem

Wir unternehmen einen Spaziergang zur „Räuberburg“, wobei „Burg“ etwas übertrieben ist, für den Felsen, von dem die Räuber früher die Boote zum Plündern beobachtet haben sollen. In der heutigen Zeit haben wir es da zumindestens in der Ostsee besser und müssen uns darüber keine Gedanken machen.

Blick von der „Räuberburg“
Die „Räuberburg“

Unsere Feige hat den Umzug von Berlin nach Schönwalde leider nicht überlebt. Nach dem ersten Winter trieb sie noch einmal aus dem Wurzelstock aus. Nach dem letzten Winter leider gar nicht mehr. Aber heute haben wir Ersatz gefunden. Insofern besteht unsere Crew nun noch aus einer Feige. Diese möchte gerne immer draußen sein, sofern wir nicht gerade auf der Ostsee segeln, Salzwasser mag sie wohl überhaupt nicht. Daher wird sie beim Segeln nun immer in einem Waschbecken in der Küche unterkommen. So kann sie auch bei viel Seegang nicht umkippen.

Ausflugsschiff zu den Erbseninseln

Heute startet das Bornholm Theaterfestival- entweder deshalb reisen so viele Touristenströme heute an oder es ist einfach wegen der Hauptsaison. Wir wissen es nicht, aber der Hafen ist wirklich rappelvoll, sowas haben wir noch nie gesehen. Es ist kaum noch Wasser zu sehen, die meisten Boote hängen irgendwo an anderen Booten im „Päckchen“ dran, aber es klappt irgendwie. Nur irgendwann am Nachmittag können die ankommenden Schiffe dann keinen Platz mehr ergattern. Wir waren ja einmal im Urlaub mit unserem Schiff „Fanai“ im August auf Bornholm im Urlaub (ca. 7 Jahre her) und da waren die größten Menschenmengen schon wieder weg, aber jetzt, im Juli, ist es deutlich voller. Man sollte besser früh, um 10, spätestens 11 Uhr in einem Hafen ankommen, um noch eine Chance zu bekommen (nicht zu früh, nicht zu spät, die ersten Schiffe müssen bereits abgelegt haben und die ersten aber noch nicht eingetroffen). Danach hat man keine Chance mehr.

Wir hatten heute Morgen, als sich die Päckchen auflösten, in das innere Hafenbecken an eine Mooringleine verholt. Das stellte sich als sehr gute Entscheidung heraus. Denn im Vergleich zu heute war der Hafen gestern echt „leer“. Heute wurde wirklich jeder „freie“ Platz belegt.

Jetzt wird’s eng!
Nun passt wirklich keiner mehr rein!

Tag 64- Von Christiansø nach Gudhjem

An diesem Vormittag legen wir um 10.50 Uhr ab. Das Ablegemanöver ist am Ende ziemlich überstürzt. Es ist ziemlich windig, und gleich kommt das Postschiff, welches direkt hinter uns festmachen will. Daher beeilen wir uns um vorher loszukommen. Ich löse die Spring (mittlere Leine) und anschließend die vordere, nun kommt das Postschiff um die Ecke. Ich mache das Schiff vorne noch fest und wir fahren in die Heckleine, man sagt „wir dampfen in die Leine ein“. So kann man das Boot direkt aus vom Kai wegdrehen. Aufgrund der Welle, die in den Hafen kommt, und weiterer Segler, die in den Hafen einlaufen wollen, fahren wir in erst. einmal aus dem Hafen. Direkt nach der Hafeneinfahrt fällt der Backbord-Festmacher vom Bug ins Wasser. Die Leine hatte ich beim Ablegen auf das Vordeck geworfen. Normalerweise machen wir die Festmacher immer auf den Klampen noch einmal fest, um dies zu verhindern. Durch die hohen Wellen vor der Insel wurde der Festmacher ins Wasser gezogen. Es besteht die große Gefahr, dass die Leine in den Propeller gezogen wird. Bei ca. 1,2 m Wellen und dasnan einer engen Stelle der Hafeneinfahrt, wo rechts und links sehr flache Felsen im Wasser sind, ist das eine wirklich schlechte Ausgangssituation. Ich nehme sofort den Gang raus und renne auf das Vorschiff, während Julia das Steuer übernimmt. Ich ziehe die Leine zurück an Bord und Julia gibt wieder Gas. Das war echt knapp. Würde eine Leine in den Propeller gezogen, würde sich dieser nicht mehr bewegen, das geht sehr schnell. Wir wären manövrierunfähig und an dieser ungünstigen Stelle wohl innerhalb kürzester Zeit auf einen der besagten Felsen raufgedrückt worden, von den Konsequenzen wagen wir nicht mal zu sprechen.

Wir sind knapp 2 Stunden unterwegs, davon können wir die meiste Zeit segeln. Eigentlich wollten wir heute nach Svaneke, aufgrund der hohen Wellen ist jedoch unklar, ob der Hafen überhaupt angelaufen werden kann. Aufgrund der Welle und der ggf. unmöglichen Hafeneinfahrt drehen wir mit Lotte Richtung Gudhjem ab.

Als wir langsam Richtung Bornholm kommen, wird es immer heißer. Die Ostsee hielt die Temperatur noch im angenehmen Bereich. Im Hafen ist es jetzt aber einfach nur heiß!

Heute ist es sehr warm (knapp 30 Grad C), viele Bornholm-Besucher nutzen diese Badeklippe für die nötige Abkühlung.

Wir können nur noch in ein Päckchen gehen. Lotte macht noch an uns fest, sodass wir dann schon als 3er- Päckchen liegen. Das Hafenamt bestätigt, dass wir so liegen bleiben dürfen. Später macht das Paar auf der schwedischen Yacht, an der wir festgemacht haben, noch Musik- er spielt Gitarre, und beide singen. „If I ever leave this world alive“, wie schön! Julia applaudiert zum Schluss.

Als allerdings wenige Stunden später der Hafenmeister kommt, heißt es zu Lotte: Ihr müsst hier in 5 Minuten weg sein. Wir müssen auch 1,5 Meter zurück, damit das Postboot festmachen kann. Am Abend kommen noch zwei weitere Segler, die an Lotte festmachen. Wir halten den Hafen für total voll (wenn jemand aus der Ecke oben links raus möchte, müssen viele vorher einmal Platz machen).

Ziemlich voller Hafen von Gudhjem

Abends zieht ein Gewitter auf dem Meer vorbei.

Tag 63- Von Schweden nach Dänemark

Heute geht es wieder nach Dänemark. Eigentlich wollten wir ja gestern bis nach Utklippan fahren. Da wir aber aufgrund der Welle nur bis Kristianopel gefahren sind (ca. 25 NM/ ca. 5 Stunden kürzer) wird die heutige Strecke ziemlich weit. Die geplante Strecke von Utklippan nach Christiansø sind ca. 43 NM (8,5 Std.). Hierzu kommen jetzt aber noch einmal die 25NM vom Vortag: Macht ca. 68NM (13,5 Std). Da das Wetterfenster aber auch nicht besonders groß ist, geht es früh los.

Ich habe mich gestern früh ins Bett gelegt, konnte aber auch nicht schnell einschlafen. Der Krümel lag bei mir und Julia saß noch im Salon. Als Julia ins Bett gegangen ist, hat sie den Krümel mit in die Vorschiffskoje geholt (hier ist es sehr viel leiser als in der Achterkoje, wenn man unter Maschine fährt). Da die Überfahrt leider nur in dem Wetterfenster geht, und dies bei einem erwarteten Wind von 2-3 Kn nicht segelbar ist, liegt eine lange Motorfahrt vor uns.

Mein Wecker klingelt um 23:30. Ich ziehe mich an, teste noch einmal den Autopiloten, lade meine Stirnlampe voll und prüfe alle wichtigen Dinge (Lichter, Tankfüllstände, Bilge etc.). Anschließend starte ich die am Vorabend geplante Route auf dem Plotter, mache die Lichter an, stelle den Plotter und den Autopiloten auf Nachtfarben um und lege ab.

Wir lagen an einer Mooring-Tonne und dies bietet den Vorteil, das sich das Schiff etwas nach hinten zieht, in dem Moment, wenn die Vorleinen gelöst werden. Rechts und links liegen direkt Schiffe, sodass wir dort auch nicht vertreiben können. Ich hole die Heckleine ein, gebe etwas rückwärts Gas und ziehe mich so um Mitternacht aus unserer Lücke.

Mit Timo habe ich schon vor dem Ablegen besprochen, dass wir einen gewissen Abstand halten wollen, damit wir darauf in der Nacht nicht so aufpassen müssen. Im Hafenbecken kann ich aber schon sehen, dass die Plotter auf der Lotte schon an sind und sie mir sicher gleich folgen werden.

Direkt vor dem Hafenbecken ist etwas Platz. Ich mache den Deckstrahler aus und leuchte mit der Kopflampe, um die Tonnen zu finden. Das betonnte Fahrwasser nach Kristianopel ist nämlich leider nicht befeuert. Da direkt neben dem Fahrwasser aber Flachs lauern, ist ein Abgleich von Plotter und reellen Tonnen sehr wichtig. Die Tonnen haben in ihren Farben reflektierende Streifen (wie beim Fahrrad). Wenn man die Tonnen anleuchtet, sind diese daher zu identifizieren. So leicht ist das aber manchmal gar nicht, in einer völligen Dunkelheit genau die Tonnen zu treffen.

Mittags kommen wir auf Christiansø an. Auf einer Felsgruppe vor den Erbseninseln tauchen immer mehr Robbenköpfe aus dem Wasser auf, einige Robben sonnen sich mit der für sie typische Körperhaltung auf den Felsen. Ich hole schnell Julia und den Kleinen aus dem Salon nach oben, damit sie die Tiere auch noch sehen können. Wir bleiben kurz „stehen“ (nehmen Gas raus) und freuen uns einfach, die Tiere hier zu treffen.

Als wir in den Hafen einfahren, sehen wir schon, dass auch hier deutlich mehr Schiffe liegen als beim letzten Mal- das Bild zieht sich hier also weiter durch. Wir brauchen eine ganze Weile und sind uns erstmal unschlüssig, wohin mit uns. Wir telefonieren kurz mit Timo von der SY Lotte, was wir machen wollen, die drei sind noch in der Anfahrt nach Christiansø. Müssen wir doch noch weiterfahren nach Bornholm, obwohl wir alle schon so kaputt sind?

Wir probieren einen Platz aus, trauen uns dann aber nicht weiter rein, die Felsen scheinen zu weit von der Mauer ins Wasser zu ragen. Wir brechen ab und sehen dann, dass das Versorgungsschiff sich abfahrbereit macht, der Hafenmeister hat uns beobachtet und ruft uns zu, wir könnten gleich dort anlegen. Was ein Glück!

Als die SY Lotte einläuft, macht sie an uns fest. Ist also nochmal gut gegangen. Dann ist für mich erstmal schlafen angesagt. Wir verbringen einen ruhigen weiteren Tag hier auf dieser schönen Insel.

Tag 62- Von Kalmar nach Kristianopel

Heute wollen wir nach Utklippan, eine ordentliche Strecke von xy Seemeilen, also xy Stunden. Da der Wind fast vollständig einschläft, entscheiden wir uns, d.h. die Lotte-Crew und wir, nicht auf „Teufel komm raus“ dorthin zu motoren, sondern drehen ab nach Kristianopel. Ankern wäre eine Möglichkeit, aber heute ist es mit gut 28 Grad schon ganz gut warm und fürs Planschen haben wir nicht mehr so richtig viel Wasser in den Tanks- die 2x 70 l sind schon eher begrenzt für 3 Personen (oder 2,5 😉). Die SY Lotte ist bereits im Hafen angekommen, als wir uns eine freie Lücke neben ihr ausgucken und anfahren. Da ruft uns eine kuriose Gestalt von der anderen Seite des Hafenbeckens zu, wir sollten dorthin fahren- und zeigt auf eine Lücke zwischen zwei Seglern, in die vielleicht ein Kanu passen würde, aber nicht die LE MARIN mit ihren 3,5 m Breite. Rufen ist vielleicht der falsche Ausdruck, sie „blökt“. Es handelt sich um den Hafenmeister, um dessen Bekanntschaft wir beim ersten Mal herumgekommen sind- z ist er nur in der Hauptsaison im Einsatz. Er sieht sehr heruntergekommen aus z wirkt mässig alkoholisiert. Paul hatte bereits im Hamnguiden von ihm erfahren (alkoholisierter Hafenmeister; besser den Anweisungen Folge leisten, er verweist Gastlieger sonst gern auch wieder des Hafens). Er blökt dann direkt noch das Segelschiff auf Backbord von der Lücke an, an dessen Heck ein alter Mann in seinem Dingi sitzt und in die “Lücke“ treibt. Als dieser nicht sofort reagiert, läuft er entrüstet zu dessen Bugkorb und klopft laut mit seinem Schlüssel dagegen, dass es nur so klirrt. Das Hafenkino ist perfekt, alle Augen sind auf den Hafenmeister und uns gerichtet. Hatten wir so, ohne selbst einen aktiven Anlass gegeben zu haben, auch noch nicht…

Der Hafen ist dieses Mal überfüllt und während des Abends fahren ankommende Schiffe nach dieser Einsicht auch wieder aus dem Hafen raus.

Tag 61- Die Zeit in Kalmar genießen

Der letzet Tag in Kalmar ist angebrochen. Heute geht es noch einmal mit der Lotte Crew in den Krusentiernska Gården. Kaum sind wir in dem Garten angekommen, fängt es an zu regnen. So ein Pech, oder vielleicht doch nicht?

Wir setzen uns erst unter einen Baum, um dem Regen zu entkommen. Da es aber immer stärker regnet, suchen wir einen besseren Platz. Wir finden ein kleines Haus, in dem Tisch und Stühle stehen. Wir kaufen uns im Café etwas zu essen und zu trinken und lassen die kleinen Mäuse krabbeln. Der Krümel gabelt dabei alles Mögliche vom Boden auf, so schnell kann man gar nicht sein. Nach einer Weile kommt ein Mann und fragt, ob es für uns okay sei, wenn sie in der Hütte etwas Musik spielen würden. Kurz darauf, haben wir ein Privatkonzert. Es ist eine Gruppe an Musikmusikern, die sich regelmäßig treffen und zusammen spontan musizieren. Eine Dame (die mit der Flöte) ist ursprünglich Deutsche aus Bamberg und lebt nun in Kalmar.

Anschließend gehen wir noch ein bisschen durch den Park und spielen bei dem Schloss auf einer Wiese Kuba (Wikingerschach).

Nachmittags wird noch ein Einkauf in dem Supermarkt (direkt vor dem Boot) gemacht.

Der Abend wird mit dem letzten Aufguss der Reise in der Sauna ausklingen gelassen. Morgen soll es Vormittags nach Utklippan gehen, bevor es dann übermorgen nach Christiansø (bei Bornholm) gehen soll. Die Fahrt nach Christiansø wird wohl aufgrund des Wetterfensters eine Nachtfahrt. Dies wird die erste Nachtfahrt unserer Reise werden. Der Wind morgen soll auch nicht gerade wenig sein, wir müssen aber aufgrund des Wetters weiter.

Tag 60- Erster Hafentag in Kalmar

Heute geht es in das Schloss in Kalmar. Das Schloss ist mit einem Eintritt von ca. 17€ p.P. nicht gerade günstig. Der Weg in das Schloss führt durch eine schön bemalte Mauer.

Wenn man den Innenhof des Schlosses erreicht hat, sieht man im Sommer mehrere Ritterzelte, in denen verschiedene Spiele für Kinder angeboten werden, von Kämpfen gegen einen Ritter (inkl. Kettenhemd, Schwert und Schild) über Ritterschach etc. Ein tolles Angebot für Kinder, welches inkludiert ist.

Im Schloss wird die Historie des Schlosses sehr gut dargestellt, von einer Belagerung über das historische Essen oder die Kleidung. Uns gefällt das Schloss sehr gut und es ist den Eintritt auf jeden Fall wert. Positiv hervorzuheben ist noch, dass sämtliches Personal im Schloss entsprechende Kleidung trägt; sehr beeindruckend.

Nach dem Schloss geht es noch zu dem Krusentiernska Park. Der hat leider aufgrund eines Auftritts heute leider geschlossen (sonntags ist im Sommer Theatertag). So wird beschlossen, dort am nächsten Tag noch einmal hinzugehen. Direkt hinter dem Garten ist noch der Rosengården. Daher wird das Krabbeln hierher verlegt.

Der Abend wird dann wieder in der Sauna ausklingen gelassen.

Tag 59- Von Timmernabben mal wieder ins schöne Kalmar

Wir wollen unbedingt noch gemeinsam nach Kalmar. Da wir in den letzten Tagen feststellen mussten, dass die Häfen auch durchaus so voll sein können, dass man keinen Platz findet, geht es um 07:00 los.

Nachdem wir aus der Bucht motort sind, setzen wir die Segel. Aufgrund abnehmenden Windes müssen wir doch erst motoren.

Einfahrt in Kalmar, dieses Mal werden wir von einem Dreimaster empfangen.

Kalmar ist im Gegensatz zum letzten Mal nicht belebt, sonder richtig voll. Dies hatte sich schon auf der Brücke nach Öland gezeigt, war auf dem Hinweg fast kein Verkehr auf der Brücke, war sie nun richtig voll.

Wir gehen ein Eis essen, den Laden hatten wir schon auf dem Hinweg gefunden. Danach fängt es an zu regnen und wir flüchten in ein Einkaufszentrum am Hafen.

Abends gehen wir noch einmal in einen Park und holen auf dem Rückweg Pizza, die wir zu 6 auf unserem Boot wieder bei Regen verputzen.

Der Abend lassen wir wieder in der Sauna ausklingen. Da diese aber nicht wie vom Hafenamt angekündigt angeschaltet war, wurde uns direkt gezeigt, wo wir diese selber anmachen können. Ab jetzt war die Sauna statt auf 80° immer auf 95° Celsius eingestellt.

Tag 58- Los gehts in unsere letzte Schärenbucht ⚓️

Unsere drei Solarzellen an Bord sorgen dafür, dass wir ein paar Tage ohne Landstrom auskommen

Kurz vor 9.00 Uhr am Morgen fahren wir in Figeholm los. Gute viereinhalb Stunden können wir mit dem Vorsegel segeln, die letzte Stunde läuft unter Motor. Gegen 14.30 Uhr am Nachmittag kommen wir in der Ankerbucht bei Timmernabben an. Hier war die Crew der Lotte bereits auf dem Hinweg einmal zum Ankern. Die Anfahrt bis zum Ankerplatz ist nicht ganz einfach, ich stehe wieder vorne am Bug und schaue runter, ob ich Felsen im Wasser sehen kann. Wir kommen aber ohne Zwischenfall an, die Lotte folgt uns. Zunächst sind der kleine Krümel und Paul ein bisschen mit dem Beiboot fahren, dann fahren wir zu dritt. Wir wollen an Land fahren, um uns ein bisschen umzusehen. Als wir bemerken, wie waldig es dort ist, wollen wir zurück fahren, um einen Mücken- und Zeckenspray zu besorgen. Auf dem Rückweg geht uns der Motor aus, und wir verstehen erst mal gar nicht, wieso. Also steuert Paul weiter das Beiboot, und ich passe auf den Kleinen auf. Es war mein zweiter Versuch, das Beiboot selber zu steuern. Als der Kleine und ich an Bord der „Le Marin“ sind, fährt Paul noch mit dem Beiboot alleine weiter, um zu ergründen, was los ist. Es ist aber dann doch nichts Schlimmes, ich hatte beim Anfahren ans Land den Außenbordmotor zu stark nach oben gekippt, damit er nicht auf den felsigen Untergrund kommen kann, dabei hat er Luft gezogen und hatte keinen Sprit zum Weiterfahren mehr. Also alles halb so wild. Dann ist auch die Crew der SY Lotte soweit und wir fahren mit beiden Booten an Land und laufen von dort ein paar Minuten zu einer netten Lichtung mit Blick auf die Segelboote, wo sich ein Lagerfeuerplatz befindet.

Abend in einer ruhigen Ankerbucht

Abends wird mal wieder Kuchen gebacken.

Tag 57- Wo kommen die ganzen Schiffe her ?

Die Ankerbucht verlassen wir gegen 20 nach 9 am Morgen. Wir segeln ca. 80 Minuten mit gerefften Groß- und Vorsegel, weil heute ordentlich Wind ist.gegen 20 vor 1 am Mittag kommen wir in Figeholm an, diesen Hafen kennen wir ja bereits- wir waren hier vor genau einem Monat (als Paul Geburtstag hatte). Obwohl „erst“ Mittag ist, kommen im Minutentakt Schiffe an und der Hafen ist noch oder schon voll. Wir finden noch ein Plätzchen und die SY Lotte, die 2 Minuten nach uns ankommt, findet ebenfalls noch einen, vielleicht sogar den letzten Platz. Gerade hier ist es schon ärgerlich, wenn man keinen Platz findet, da man einige Zeit doch das Fahrwasser gezielt diesen Hafen ansteuert; einen Weg, den man bei Pech und fehlendem Platz erfolglos also wieder komplett zurückmüsste. Wir wollen heute noch die im Preis inkludierte Waschmaschine/ Trockner für unsere Bettwäsche nutzen, was dringend nötig ist. Diese Idee haben natürlich sehr viele und es gibt nur jeweils zwei Maschinen. Vor einem Monat war dies noch kein Problem, jetzt bekommen wir erst den Slot von 22 bis 00 Uhr. Zum Glück ist doch ein Segler schneller mit seinem Waschen und wir können vorrutschen, erst um Mitternacht die Wäsche zu holen (mit der wir ja eigentlich schlafen wollten und wir morgen schon zeitig weiterwollen), wäre wirklich blöd gewesen.

Auf dem Rückweg (es sind nur wenige Minuten Fußweg), kommen wir am Sjöfartsmuseum vorbei, welches nun endlich geöffnet hat, der Eintritt ist frei. Es sind viele Ausstellungsstücke in die zwei Etagen des sehr beeindruckenden Fachwerkbaus gestopft und Paul entdeckt zu unserer Belustigung einen Außenbordmotor (Johnson, 3,5 PS, 2-Takter), den er selbst mal vor gut 15 Jahren besessen hat für sein Kanu. Ich denke, in diesem Moment fühlt er sich vielleicht schon ein bisschen alt 😉

Das ist das gute Stück!

Am Abend nutzen wir den Grill des Segelvereins mit Holzbank und grillen ein bisschen mit den dreien von der SY Lotte. Bei ihnen gibts Hamburger, bei uns Würstchen mit gegrilltem Brot und selbstgerechter Kräuterbutter und Maiskolben. Sie erzählen, dass die Laune bei ihnen grad nicht so berauschend ist und hoffen auf Besserung, wenn wir am morgigen Tag in eine schöne Ankerbucht fahren, die sie auf dem Hinweg bereits kennen gelernt haben.

Erkenntnisse und Erlebnisse

Witzige Situation in Sassnitz im Rewe:

Paul zu der Verkäuferin: Ich suche Paneer. Sie: Was ist das? Paul: Das ist dieser Käse aus der indischen Küche. Haben Sie den? Sie: Kenne ich nicht, ich habe noch nie indisch gegessen.
Er geht zur nächsten Verkäuferin:
Ich suche Paneer. Sie: Was suchen Sie? Paul: ich suche Paneer Käse. Sie: Na dann kommen Sie mal mit. Beide gehen zu den Tiefkühlgerichten und sie gibt ihm eine Packung Back-Camembert. Er schaut sie erstaunt an und sagt, ich suche Paneer Käse. Das hier ist Back-Camembert. Sie darauf hin: ja, der ist paniert. 🤣

Paul spricht einen deutschen Segler im Wasahamnen in Stockholm an. Dieser steht nehmen einem Segelboot der Marke Swan, 58 Fuß groß (=17,678 m). Dieses Schiff stammt aus einer finnischen Werft (https://www.nautorswan.com/yachts/models/swan58/) und befindet sich gerade auf dem Weg von der Werft in Finnland zu seinem neuen Heimathafen (vermutlich in Deutschland), ist also total neu. Der Mann ist ein Freund des Eigners und erzählt, dass sie am ersten Tag schon ein Segel kaputt gemacht haben (Neupreis ca. 20.000 EUR nur für dieses Segel) und am nächsten Tag die hydraulische Winsch zum Setzen des Segels gesponnen hat und dabei den Baum in die Sprayhood gepresst hat, die dadurch total verbogen wurde. Solch ein Schiff kostet ab ca. 2.000.000 EUR aufwärts (je nach Ausstattung und Besegelung kann der Preis auch bei über 3.000.000 EUR landen). Was lernt man daraus? 1. Mit neuen Booten kann man genauso Ärger bzw. aufwand haben und 2. dabei ist es egal, wie teuer das Schiff war. Davor sind also auch Reiche nicht gefeit. 🙈

Interessante Tatsache über die Schweden:

Sie lieben gesalzene und extra gesalzene Butter, ungesalzene ist eher schwer zu bekommen.


Stilles Trinkwasser kauft der Schwede eher nicht in Supermarkt, sondern zapft es sich aus öffentlichen Trinkbrunnen. (1,5 l kosten in no name auch 2,00€- also vergleichsweise wirklich teuer).


Wenn es die Tage und Wochen vor und nach Mittsommer nicht richtig dunkel wird nachts, verliert man total das Zeitgefühl.

Ein für uns aktuelles Thema: Babys trägt man irgendwie in einer Trage, leider sieht das meistens eher sehr unergonomisch für das Baby aus. Und im Zweifel werden wenige Wochen alte Säuglinge auch schon mal vorwärts vor dem Bauch durch die Stadt getragen, sodass ich mir das gar nicht anschauen kann (wir haben damals mit dem Krümel eine Trageberatung gehabt und wissen ungefähr, was man tun und eher lassen sollte).


Eisbecher werden mit Softeis statt mit Sahne serviert.

Viele Läden nehmen kein Bargeld mehr entgegen, dort kann man nur noch mit Karte oder Handy bezahlen.

Es gibt keine Drogerien in Schweden, Hygieneartikel sind daher eher teuer, da man sie in der “Apotek“ oder dem Supermarkt kaufen muss.