Tag 43 – Von Berg nach Borensberg

LOGBUCH – ÜBERBLICK

Insgesamt haben wir 632 Seemeilen zurückgelegt.

Heute waren es:

  • Nur unter Motor: ca. 10,69sm bei Ø 2,82 Knoten
  • 9 Schleusen!

Zeit unterwegs: ca. 8 Stunden

WETTER & BEDINGUNGEN

  • Wind: 8 Knoten
  • Wellenhöhe: ca. 0-0,5m

Heute soll es weitergehen. Wir machen uns bereit, damit wir um Viertel vor 9 Uhr an der Schleuse sein können. Um 9 Uhr öffnen die Schleusen. Solche festen Zeiten sind mit Baby an Bord, welches manchmal keinen Aufschub bei der Erfüllung seiner Bedürfnisse, insbesondere beim Thema Schlaf, duldet, nicht leicht. Da heute endlich wieder gutes Wetter angesagt ist, werden wohl viele Boote aus dem Hafen weiterwollen. Wir wissen nicht recht, was uns dieses Mal erwartet, außer dass es vier Doppelschleusen sein werden. Das heißt einerseits, dass wir nicht sicher am Stück durchkommen (bei einer Treppe kann man keine Pause einlegen, weil z.B. ein Fahrgastschiff entgegenkommt) und es vermutlich nicht so anstrengend werden wird, andererseits können wir auch nicht den Buggy an Land stellen, wenn die Stimmung beim Mini Matrosen kippt, weil es ja immer nur zwei Schleusen am Stück sind, er also eigentlich durchhalten muss ohne mich. Ich versuche zu verhindern, ihn beim Schleusen in der Trage haben zu müssen.

Nach jeder Doppelschleuse werden wir von dem/der jeweiligen Schleusenwärter*in informiert, dass entweder ein Fahrgastschiff hinter uns passieren soll oder uns eine Gruppe von Schiffen entgegenkommt, und so legen wir als Schleusenkonvoi (mit uns drei deutsche Schiffe und ein Holz-Schärenkreuzer und zwei sehr chaotischen älteren Schweden an Bord) an den vorhandenen Holzstegen seitwärts an und können für ein paar Minuten Pause machen. Damit ist es sogar ziemlich das Gegenteil von der 7er-Schleusentreppe.

Nach 8 Stunden kommen wir in Borensberg an. Wir laufen noch zu einem Supermarkt und kommen auf dem Weg an einem Marineschiff vorbei, welches sich Paul und Kapitän Wirbelwind ansehen gehen.

Heute scheint durchgehend die Sonne, und wir setzen uns abends noch zum Grillen in die Plicht.

Auch die Princess Svanevit möchte weiter. Es gibt ein eigenes Schiff, welches ihren sehr hohen (meiner Meinung nach ein Stück zu hohen) Mast transportiert. Dieser soll planmäßig im Hafen von Motala an Bord gestellt werden, sodass sie dann auf den Seen wieder segeln kann.
Die Princess Svanevit darf als erstes fahren (wieso wissen wir nicht, es handelt sich ja nicht um Berufsschifffahrt), danach das Schiff, welches ihren Mast transportiert. Danach wir.
Kanal nach den Doppelschleusen
Aquädukt – leider nicht so schön oder aufregend wie gedacht
Die Schleuse vor Borensberg, hier werden sie noch per Hand betrieben, Mithilfe ist gern gesehen, das lassen wir uns nicht zweimal sagen!
An Bord eines Militär – Minenlegers a.D., welcher dauerhaft im Hafen von Borensberg liegt und kostenfrei besichtigt werden kann. Das ist was für Paul und Kapitän Wirbelwind!

Tag 7- Ruppige Nacht, Kurswechsel & graues Bornholm

Logbuch – Überblick

Insgesamt haben wir auf den ersten beiden Tagen 78,1 Seemeilen zurückgelegt.

  • Unter Segel: ca. 59,0 sm bei Ø 5,3 Knoten
  • Segel & Motor (motorsegelnd): ca. 18,8 sm bei Ø 5,8 Knoten
  • Nur unter Motor: ca. 3,3 sm bei Ø 6,0 Knoten

Gesamte Zeit unterwegs: ca. 15 Stunden

Wetter & Bedingungen

  • Wind: im Mittel 19 Knoten, zunehmend
  • Wellenhöhe: ca. 2–2,5 m gegen Morgen
  • Temperatur: kühl, regnerisch, keine Sonne
  • Wetterereignisse: stärkerer Wind als prognostiziert
  • Wellen: Änderung des Zielhafens aufgrund der Wellenlage

Logbuch – Nacht & Morgen

Der Wind nimmt kontinuierlich zu – ich messe im Mittel 19 Knoten. Hinter uns war laut Prognose noch mehr Wind vorhergesagt als in unserem Routenfenster. So werden die Wellen immer größer.
Gegen Mitternacht ist es sehr schaukelig auf dem Boot.

Morgens, als es so gegen 03:30 Uhr hell wird (Nautische Dämmerung), haben wir Wellen von ca. 2–2,5 m. Die gesamte Crew wird davon etwas überrascht. Daher wird der Plan „Utklippan“ aufgegeben und stattdessen Svaneke im Nordosten von Bornholmangepeilt.

Kapitän Wirbelwind entledigt sich dann morgens noch vor dem Frühstück seines Mageninhalts. Daher wird der Plan abermals geändert – und der erste erreichbare Hafen auf Bornholm angelaufen.

Land in Sicht – Bornholm

Nexø ist die erste Option, die wir dankbar ergreifen, und gegen halb 11 am Vormittag legen wir bei viel Wind und ohne Sonne an. Es handelt sich vor allem um einen Industriehafen ohne jeglichen Charme – in der Vorsaison scheinen wir die einzigen Gäste zu sein.


Crew-Momente & Tagesverlauf

Diese Nacht muss nun erstmal verdaut werden. Die 15 Stunden mit dem fehlenden Schlaf waren nicht ohne – gerade weil der Tag mit zwei Kindern, die zwar nicht super, aber einigermaßen ausreichend geschlafen haben, nun ja auch Kraft kostet. Wie diejenigen mit kleinen Kindern sicherlich wissen.

Nach dem Anlegen legt sich Paul erst einmal hin und schläft etwas. Den restlichen Tag verbringen wir im Schiff – es ist sehr windig, sehr grau, es regnet mehrfach, und draußen ist es einfach eklig.

In einer Regenpause laufen wir los – wir wollen zur anderen Seite des Hafens. Leider ist es so weitläufig, dass man allein für diese eine Strecke eine halbe Stunde pro Richtung brauchen soll. Das knicken wir dann schnell wieder. Keine Option nach dieser Nacht.


Planung & Ausblick

Am Abend wird das Wetter geprüft und das Boot für die weitere Überfahrt vorbereitet. Es soll morgen um kurz nach 05:00 Uhr losgehen.
Leider zwingt uns das Wetter zu dieser Option. Nach der letzten Nacht wäre Ausschlafen gar nicht so schlecht gewesen.

Tag 6 – die erste große Überfahrt

Position & Planung

  • Abfahrtsort: Swinemünde (Polen)
  • Zielhafen: Utklippan (Schweden)
  • Geplante Abfahrt: 24.05., 19:00 Uhr
  • Voraussichtliche Ankunft: 25.05., ca. 21:00 Uhr
  • Entfernung: ca. 130 Seemeilen

Logbuch-Eintrag

Der Plan steht: Heute soll es endlich losgehen. Die letzte Nacht an Land liegt hinter uns, und die Vorfreude auf die erste größere Etappe ist spürbar.

Am Vormittag wird das Schiff klargemacht: Alles wird noch einmal gründlich abgewaschen und sicher verstaut – schließlich soll unterwegs nichts fliegen. Das Schlauchboot holen wir vorsorglich aufs Verdeck, damit die Dieselheizung in der Nacht und gegebenenfalls auch tagsüber genutzt werden kann.
Normalerweise hängt das Beiboot quer am Heck, doch dort liegt es direkt vor dem Auspuff – was bedeutet, dass wir die Heizung nicht betreiben könnten, ohne unser Dingi zu schmelzen. Also: besser vorbereitet als geflickt.

Am Nachmittag geht es für Julia, den Mini-Matrosen und Kapitän Wirbelwind noch einmal auf den Spielplatz – die letzten festen Schritte auf dem Festland vor der Überfahrt. Paul nutzt die Gelegenheit, um etwas vorzuschlafen – leider vergeblich.

Es gibt Abends noch einmal Spargel mit Kartoffeln, bevor es endlich los geht.

Dazu wird das erste mal der neue Backofen in Betrieb genommen, das dauert dann doch leider viel länger als erwartet. ca. 1,5 Stunden gibt dieser sehr unangenehme Gerüche von sich, bis alle Produktionsrückstände verbrannt sind. Erst dann kann das Essen in den Ofen, das lief leider anders als geplant.

Die Route ist fertig geplant, die Wetterlage mehrfach abgeglichen, alle Geräte geprüft. Die Nervosität mischt sich mit Vorfreude – es geht los!

Nachtwache

Julia schläft mit beiden Kindern in einer Kabine, das ist platztechnisch echt kuschelig.

Die Crew geht schlafen – die erste Nachtfahrt der Reise steht an.
Ich stelle mir einen Rhythmus von 15 Minuten ein: Alle 15 Minuten gehe ich an Deck, halte Ausschau nach Booten und kontrolliere Kurs und Segel.

Langsam senkt sich die Nacht über uns, und mit ihr ändert sich das Bild:
Der Wind frischt kontinuierlich auf, und auch die See baut sich spürbar auf. Schon nach kurzer Zeit erreichen die Wellen eine Höhe von deutlich über einem Meter – nicht bedrohlich, aber wachsam bleibe ich trotzdem.

Die Welt reduziert sich auf Dunkel, Rauschen, Bewegung 


Wetter & Bedingungen

  • Wind: ca. 11 Knoten aus südlicher Richtung
  • Böen: bis zu 15 Knoten
  • Wellenhöhe: 0,5 bis 1 Meter
  • Temperatur: ca. 17 °C (tags), 11 °C (nachts)
  • Besondere Wetterereignisse: Gewitterzelle ca. 5 Seemeilen östlich der Route – daher spätere Abfahrt

Crew-Momente

  • Paul: versuchte noch einmal zu schlafen – ohne Erfolg
  • Julia: letzte Spielplatzrunde mit der Crew
  • Kapitän Wirbelwind: bereit zum Ablegen, aber vorher noch Sand unter den Fingernägeln
  • Mini-Matrose: müde, aber neugierig – bald geht’s los!

Fazit des Tages

Manchmal kommt es doch anders, als man denkt.
Und in diesen Situationen muss man es manchmal einfach aushalten.

Tag 5 – Vorbereitung auf die Überfahrt und Strand

Am Vormittag geht Paul noch einmal einkaufen, ganz oben auf der Einkaufsliste stehen Energy-Drinks. Das Wetter lässt uns leider wenig Spielraum, und wir werden am 24.05. voraussichtlich gegen 18:00 Uhr ablegen. Ziel ist dann der Hafen auf Utklippan. Dies ist ein Hafen südlich des schwedischen Festlandes.

In der Nähe des Supermarkts gibt es auch ein nettes Café, aus dem wir ein paar Törtchen probieren.

Am Nachmittag geht es am Wasser entlang zu dem Strand von Swinemünde. Am Anfang ist es noch sehr industriell vom Hafen geprägt, am Ufer wird es aber schnell natürlich und schön.

Der Kapitän Wirbelwind sammelt Muscheln in vielen Farben und geht auch mit den Füßen in die ziemlich kalte Ostsee. Anschließend wird noch gebuddelt und mit Sandförmchen gebacken. Der Minimatrose macht seine ersten Buddelversuche und Sand-Tastings.

Anschließend geht es zurück zum Boot.

Tag 1 – Jetzt müssen noch die letzten Sachen erledigt werden.

Heute gehts vor allem ums Weiterverräumen und einkaufen! Es ist heute erst bedeckt, dann sonnig.

Unfassbar, wie wenig man schafft, wenn man sich gleichzeitig um ein Kleinkind und ein Baby kümmern muss. Alles geht seeeeeeeehr viel langsamer dadurch.

Fazit, so schnell kommen wir hier noch nicht los.

Offene Punkte:
– Neuen Herd einbauen
– Gasfernschalter einbauen
– Gasprüfung durchführen
– restliche Sachen ausladen (einiges schon geschafft)
– Schlauchboot reparieren und aufpusten
– Motor vom Schlauchboot testen
– Verschattung für die Kabine hinten Backbord (links) anbringen
– Lebensmitteleinkauf

Erledigt:
– Rausfallschutz hinten links eingebaut
– Drogerie Einkauf (Windeln, Windeln, Windeln!)
– Lebensmitteleinkauf (teilweise ins. ungekühlte Produkte)

Schauen wir mal, wie weit wir morgen kommen.

Tag 0 (18.05.2025) – Endlich sind wir in Ueckermünde angekommen

Das Auto ist bis in den letzten Winkel vollgestopft, und das, obwohl Paul in der letzten Woche das meiste Gepäck bereits nach Ueckermünde gebracht hat (die ersten 3 Bilder).

Aber nun geht es gegen Mittag endlich los in Richtung Ueckermünde. Auf dem Weg laden wir das Auto in Pasewalk noch einmal, damit es die lange Standzeit übersteht. Anschließend machen wir einen Halt bei einem Imbiss, und die Ankunft am Schiff erfolgt im strömenden Regen. Die Heizung hat zum Glück Power, und so dauert es nicht so lang, bis es warm genug ist, um schlafen zu gehen.

Die Sachen wollen wir in den nächsten Tagen auspacken. Es gibt noch einiges zu tun.

Paul hatte neulich bei der Vorbereitung für die Gasprüfung festgestellt, dass der alte Herd kaputt ist und ersetzt werden muss. Daraufhin ist er vor einigen Tagen von Ueckermünde mit dem Auto noch schnell nach Hamburg gefahren, um einen neuen zu kaufen. Auch der ist jetzt noch im Auto.

Tag 65- Ein Tag in Gudhjem oder: Wir bekommen Crew-Zuwachs!

Heute ist ein Hafentag geplant. Morgen soll es nach Allinge gehen, bevor es übermorgen entweder nach Sassnitz oder nach Rønne gehen soll. Hierfür wird der Wind ausschlaggebend sein. Sollte es nicht nach Sassnitz gehen, werden wir mehrere Tage in Rønne bleiben müssen, weil der Wind dann zu stark sein wird, um Richtung Deutschland aufzubrechen. Für die Lotte-Crew wird dann ein Schlag Richtung Ystad oder Hiddensee unumgänglich und für uns direkt nach Swinemünde. Die Zeit würde dann bei beiden für den „kurzen“ Schlag nach Sassnitz nicht mehr reichen.

Kirche in Gudhjem

Wir unternehmen einen Spaziergang zur „Räuberburg“, wobei „Burg“ etwas übertrieben ist, für den Felsen, von dem die Räuber früher die Boote zum Plündern beobachtet haben sollen. In der heutigen Zeit haben wir es da zumindestens in der Ostsee besser und müssen uns darüber keine Gedanken machen.

Blick von der „Räuberburg“
Die „Räuberburg“

Unsere Feige hat den Umzug von Berlin nach Schönwalde leider nicht überlebt. Nach dem ersten Winter trieb sie noch einmal aus dem Wurzelstock aus. Nach dem letzten Winter leider gar nicht mehr. Aber heute haben wir Ersatz gefunden. Insofern besteht unsere Crew nun noch aus einer Feige. Diese möchte gerne immer draußen sein, sofern wir nicht gerade auf der Ostsee segeln, Salzwasser mag sie wohl überhaupt nicht. Daher wird sie beim Segeln nun immer in einem Waschbecken in der Küche unterkommen. So kann sie auch bei viel Seegang nicht umkippen.

Ausflugsschiff zu den Erbseninseln

Heute startet das Bornholm Theaterfestival- entweder deshalb reisen so viele Touristenströme heute an oder es ist einfach wegen der Hauptsaison. Wir wissen es nicht, aber der Hafen ist wirklich rappelvoll, sowas haben wir noch nie gesehen. Es ist kaum noch Wasser zu sehen, die meisten Boote hängen irgendwo an anderen Booten im „Päckchen“ dran, aber es klappt irgendwie. Nur irgendwann am Nachmittag können die ankommenden Schiffe dann keinen Platz mehr ergattern. Wir waren ja einmal im Urlaub mit unserem Schiff „Fanai“ im August auf Bornholm im Urlaub (ca. 7 Jahre her) und da waren die größten Menschenmengen schon wieder weg, aber jetzt, im Juli, ist es deutlich voller. Man sollte besser früh, um 10, spätestens 11 Uhr in einem Hafen ankommen, um noch eine Chance zu bekommen (nicht zu früh, nicht zu spät, die ersten Schiffe müssen bereits abgelegt haben und die ersten aber noch nicht eingetroffen). Danach hat man keine Chance mehr.

Wir hatten heute Morgen, als sich die Päckchen auflösten, in das innere Hafenbecken an eine Mooringleine verholt. Das stellte sich als sehr gute Entscheidung heraus. Denn im Vergleich zu heute war der Hafen gestern echt „leer“. Heute wurde wirklich jeder „freie“ Platz belegt.

Jetzt wird’s eng!
Nun passt wirklich keiner mehr rein!

Tag 64- Von Christiansø nach Gudhjem

An diesem Vormittag legen wir um 10.50 Uhr ab. Das Ablegemanöver ist am Ende ziemlich überstürzt. Es ist ziemlich windig, und gleich kommt das Postschiff, welches direkt hinter uns festmachen will. Daher beeilen wir uns um vorher loszukommen. Ich löse die Spring (mittlere Leine) und anschließend die vordere, nun kommt das Postschiff um die Ecke. Ich mache das Schiff vorne noch fest und wir fahren in die Heckleine, man sagt „wir dampfen in die Leine ein“. So kann man das Boot direkt aus vom Kai wegdrehen. Aufgrund der Welle, die in den Hafen kommt, und weiterer Segler, die in den Hafen einlaufen wollen, fahren wir in erst. einmal aus dem Hafen. Direkt nach der Hafeneinfahrt fällt der Backbord-Festmacher vom Bug ins Wasser. Die Leine hatte ich beim Ablegen auf das Vordeck geworfen. Normalerweise machen wir die Festmacher immer auf den Klampen noch einmal fest, um dies zu verhindern. Durch die hohen Wellen vor der Insel wurde der Festmacher ins Wasser gezogen. Es besteht die große Gefahr, dass die Leine in den Propeller gezogen wird. Bei ca. 1,2 m Wellen und dasnan einer engen Stelle der Hafeneinfahrt, wo rechts und links sehr flache Felsen im Wasser sind, ist das eine wirklich schlechte Ausgangssituation. Ich nehme sofort den Gang raus und renne auf das Vorschiff, während Julia das Steuer übernimmt. Ich ziehe die Leine zurück an Bord und Julia gibt wieder Gas. Das war echt knapp. Würde eine Leine in den Propeller gezogen, würde sich dieser nicht mehr bewegen, das geht sehr schnell. Wir wären manövrierunfähig und an dieser ungünstigen Stelle wohl innerhalb kürzester Zeit auf einen der besagten Felsen raufgedrückt worden, von den Konsequenzen wagen wir nicht mal zu sprechen.

Wir sind knapp 2 Stunden unterwegs, davon können wir die meiste Zeit segeln. Eigentlich wollten wir heute nach Svaneke, aufgrund der hohen Wellen ist jedoch unklar, ob der Hafen überhaupt angelaufen werden kann. Aufgrund der Welle und der ggf. unmöglichen Hafeneinfahrt drehen wir mit Lotte Richtung Gudhjem ab.

Als wir langsam Richtung Bornholm kommen, wird es immer heißer. Die Ostsee hielt die Temperatur noch im angenehmen Bereich. Im Hafen ist es jetzt aber einfach nur heiß!

Heute ist es sehr warm (knapp 30 Grad C), viele Bornholm-Besucher nutzen diese Badeklippe für die nötige Abkühlung.

Wir können nur noch in ein Päckchen gehen. Lotte macht noch an uns fest, sodass wir dann schon als 3er- Päckchen liegen. Das Hafenamt bestätigt, dass wir so liegen bleiben dürfen. Später macht das Paar auf der schwedischen Yacht, an der wir festgemacht haben, noch Musik- er spielt Gitarre, und beide singen. „If I ever leave this world alive“, wie schön! Julia applaudiert zum Schluss.

Als allerdings wenige Stunden später der Hafenmeister kommt, heißt es zu Lotte: Ihr müsst hier in 5 Minuten weg sein. Wir müssen auch 1,5 Meter zurück, damit das Postboot festmachen kann. Am Abend kommen noch zwei weitere Segler, die an Lotte festmachen. Wir halten den Hafen für total voll (wenn jemand aus der Ecke oben links raus möchte, müssen viele vorher einmal Platz machen).

Ziemlich voller Hafen von Gudhjem

Abends zieht ein Gewitter auf dem Meer vorbei.

Tag 63- Von Schweden nach Dänemark

Heute geht es wieder nach Dänemark. Eigentlich wollten wir ja gestern bis nach Utklippan fahren. Da wir aber aufgrund der Welle nur bis Kristianopel gefahren sind (ca. 25 NM/ ca. 5 Stunden kürzer) wird die heutige Strecke ziemlich weit. Die geplante Strecke von Utklippan nach Christiansø sind ca. 43 NM (8,5 Std.). Hierzu kommen jetzt aber noch einmal die 25NM vom Vortag: Macht ca. 68NM (13,5 Std). Da das Wetterfenster aber auch nicht besonders groß ist, geht es früh los.

Ich habe mich gestern früh ins Bett gelegt, konnte aber auch nicht schnell einschlafen. Der Krümel lag bei mir und Julia saß noch im Salon. Als Julia ins Bett gegangen ist, hat sie den Krümel mit in die Vorschiffskoje geholt (hier ist es sehr viel leiser als in der Achterkoje, wenn man unter Maschine fährt). Da die Überfahrt leider nur in dem Wetterfenster geht, und dies bei einem erwarteten Wind von 2-3 Kn nicht segelbar ist, liegt eine lange Motorfahrt vor uns.

Mein Wecker klingelt um 23:30. Ich ziehe mich an, teste noch einmal den Autopiloten, lade meine Stirnlampe voll und prüfe alle wichtigen Dinge (Lichter, Tankfüllstände, Bilge etc.). Anschließend starte ich die am Vorabend geplante Route auf dem Plotter, mache die Lichter an, stelle den Plotter und den Autopiloten auf Nachtfarben um und lege ab.

Wir lagen an einer Mooring-Tonne und dies bietet den Vorteil, das sich das Schiff etwas nach hinten zieht, in dem Moment, wenn die Vorleinen gelöst werden. Rechts und links liegen direkt Schiffe, sodass wir dort auch nicht vertreiben können. Ich hole die Heckleine ein, gebe etwas rückwärts Gas und ziehe mich so um Mitternacht aus unserer Lücke.

Mit Timo habe ich schon vor dem Ablegen besprochen, dass wir einen gewissen Abstand halten wollen, damit wir darauf in der Nacht nicht so aufpassen müssen. Im Hafenbecken kann ich aber schon sehen, dass die Plotter auf der Lotte schon an sind und sie mir sicher gleich folgen werden.

Direkt vor dem Hafenbecken ist etwas Platz. Ich mache den Deckstrahler aus und leuchte mit der Kopflampe, um die Tonnen zu finden. Das betonnte Fahrwasser nach Kristianopel ist nämlich leider nicht befeuert. Da direkt neben dem Fahrwasser aber Flachs lauern, ist ein Abgleich von Plotter und reellen Tonnen sehr wichtig. Die Tonnen haben in ihren Farben reflektierende Streifen (wie beim Fahrrad). Wenn man die Tonnen anleuchtet, sind diese daher zu identifizieren. So leicht ist das aber manchmal gar nicht, in einer völligen Dunkelheit genau die Tonnen zu treffen.

Mittags kommen wir auf Christiansø an. Auf einer Felsgruppe vor den Erbseninseln tauchen immer mehr Robbenköpfe aus dem Wasser auf, einige Robben sonnen sich mit der für sie typische Körperhaltung auf den Felsen. Ich hole schnell Julia und den Kleinen aus dem Salon nach oben, damit sie die Tiere auch noch sehen können. Wir bleiben kurz „stehen“ (nehmen Gas raus) und freuen uns einfach, die Tiere hier zu treffen.

Als wir in den Hafen einfahren, sehen wir schon, dass auch hier deutlich mehr Schiffe liegen als beim letzten Mal- das Bild zieht sich hier also weiter durch. Wir brauchen eine ganze Weile und sind uns erstmal unschlüssig, wohin mit uns. Wir telefonieren kurz mit Timo von der SY Lotte, was wir machen wollen, die drei sind noch in der Anfahrt nach Christiansø. Müssen wir doch noch weiterfahren nach Bornholm, obwohl wir alle schon so kaputt sind?

Wir probieren einen Platz aus, trauen uns dann aber nicht weiter rein, die Felsen scheinen zu weit von der Mauer ins Wasser zu ragen. Wir brechen ab und sehen dann, dass das Versorgungsschiff sich abfahrbereit macht, der Hafenmeister hat uns beobachtet und ruft uns zu, wir könnten gleich dort anlegen. Was ein Glück!

Als die SY Lotte einläuft, macht sie an uns fest. Ist also nochmal gut gegangen. Dann ist für mich erstmal schlafen angesagt. Wir verbringen einen ruhigen weiteren Tag hier auf dieser schönen Insel.